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Die Sache mit dem Segelboot

  • Autorenbild: Maria Winter
    Maria Winter
  • 23. Mai 2025
  • 3 Min. Lesezeit

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Eine kurze Geschichte zu dem Bild.


Es war ein ruhiger Morgen an der italienischen Küste. Die Sonne blinzelte verschlafen durch ein paar zerzauste Wolken, das Meer lag so glatt, als hätte jemand vergessen, die Wellen einzuschalten.


Luca wachte langsam auf – sein Kopf dröhnte, als hätten tausend Kirchenglocken gleichzeitig geläutet. Benommen schleppte er sich auf den Balkon, um ein bisschen frische Luft zu schnappen. Die Erinnerungen an den gestrigen Abend schwirrten wie wild gewordene Mücken durch seinen Schädel: Freunde, lautes Lachen, Feuerwerk, zu viel Essen, zu viele Drinks – und dieses eine Mädchen. Gekleidet in einen roten Bikini, mit langen, dunklen Haaren und schlanken Beinen – sie sah einfach umwerfend aus. Immer wieder kam sie zu ihm, reichte einen Cocktail, lachte, stupste ihn an und rief:


„Trink, trink! Du bist ein starker, erwachsener Mann!“


„Ja! Ja!“, jubelte die Menge, während Luca Glas um Glas leerte – angefeuert wie ein Gladiator im Kolosseum.


Es war seine 25. Geburtstagsfeier. Groß, laut, dekadent – gesponsert von seinen Eltern. Und jetzt saß er hier – komplett verkatert, durstig und verwirrt.


Mit trockenem Mund tappte Luca in die Küche. Er suchte Wasser. Oder ein Medikament. Oder irgendetwas, das nach Leben schmeckte. Stattdessen stand da… ein Picknickkorb. Daneben ein kleiner Zettel:


„Lieber Sohn, viel Spaß beim Segeln! Deine Mama.“


Ach ja. Der Segelausflug. Die Eltern hatten schon seit Wochen ein Boot für ihn gemietet – das zweite Geburtstagsgeschenk. Natürlich hatte Luca es komplett vergessen.


„Mama…“, murmelte er leise.


Typisch für sie – immer organisiert, immer liebevoll, immer besorgt. Keine Frau auf der Welt kam an sie heran. Wenn es jemals eine geben sollte, die mit Mama mithalten konnte, dann müsste sie wohl gleichzeitig frischen Orangensaft pressen und seine Steuererklärung fehlerfrei ausfüllen. Unwahrscheinlich. Sehr unwahrscheinlich. Mama war für ihn einfach einzigartig. Immer da. Immer auf seiner Seite – im Recht wie im Unrecht.


Egal. Jetzt hieß es: Zähne putzen, Boot schnappen, aufs Wasser – und vor allem: irgendwie überleben.


Zwei Stunden später war Luca tatsächlich unterwegs. Das Meer lag friedlich, das Boot schaukelte sanft, und er hatte es geschafft, loszusegeln, ohne sich selbst mit dem Seil an den Mast zu fesseln. Immerhin.


Er hatte nur einen Plan nach der wilden Feier am Vortag: allein entspannen, nichts tun – und vielleicht eine Flasche Rotwein aus dem Picknickkorb entkorken. Doch als er nach dem Anker griff, passierte das Unvermeidliche: Mit einer eleganten Geste – wie ein Zauberer – warf Luca nicht den Anker über Bord, sondern… den gesamten Picknickkorb.


In Zeitlupe sah er zu, wie das so liebevoll von seiner Mutter vorbereitete Essen langsam in den Wellen versank – inklusive Salami, Wein, zwei Plastikgläsern und einem sorgfältig eingepackten Käsebrötchen mit Serviette.


Vom Ufer aus winkte ein kleiner Junge begeistert. Vielleicht hielt er es für eine Show. Auch ein Hund bellte aufgeregt – vermutlich, weil die Salami nun frei war und sich ihrer wahren Bestimmung hingab: ein Unterwasser-Snack für Möwen und mutige Fische.


Luca versuchte, das Boot zu drehen – aber das Segel war falsch gesetzt, der Wind ignorierte ihn komplett, und seine Seekarte war… na ja, in der Brotdose gewesen. Und die lag jetzt auf dem Meeresgrund.


Am Ende des Tages, völlig entkräftet, schaffte Luca es zurück in den Hafen. Er hatte zwar keinen Anker mehr, keinen Picknickkorb – und auch keinen besonders guten Ruf im Hafenclub – aber dafür eine neue Erkenntnis: Wer aufs Meer fährt, sollte vorher Kaffee trinken. Und seine Ausrüstung besser sortieren.


Aber am allerwichtigsten: Nie wieder segeln mit Restalkohol. Vor allem nicht, wenn irgendwo eine Salami im Spiel ist.

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